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Blutdruck verstehen: Was oberer und unterer Wert bedeuten

Was 120/80 bedeutet, wann Blutdruckwerte erhöht sind und wie du zu Hause richtig misst.

9 Min. Lesezeit

Bluthochdruck verursacht häufig lange keine eindeutigen Beschwerden. Ob der Blutdruck auffällig ist, lässt sich daher nicht zuverlässig am eigenen Befinden erkennen. Entscheidend sind korrekt durchgeführte Messungen und die medizinische Einordnung mehrerer Werte. Doch was bedeuten eigentlich Zahlen wie 120 zu 80? Wofür stehen der obere und der untere Wert? Und was sollte man beachten, wenn man den Blutdruck zu Hause misst?

1:1-Visual zu systolischem und diastolischem Blutdruck.

Was ist Blutdruck?

Mit jedem Herzschlag wird Blut durch die Blutgefäße gepumpt. Dabei entsteht Druck auf die Wände der Gefäße – der sogenannte Blutdruck. Dieser Druck bleibt nicht den ganzen Tag gleich. Er kann sich unter anderem durch körperliche Aktivität, Ruhe, Stress, Schmerzen oder bestimmte Genussmittel verändern. Solche Schwankungen sind zunächst normal. Medizinisch relevant wird es vor allem dann, wenn der Blutdruck dauerhaft erhöht ist. Blutdruckwerte werden in Millimeter Quecksilbersäule angegeben. Die Abkürzung dafür lautet mmHg. Eine Blutdruckangabe besteht immer aus zwei Zahlen, beispielsweise: 120/80 mmHg Die erste Zahl bezeichnet den systolischen, die zweite den diastolischen Blutdruck.

Was bedeutet der systolische Wert?

Der systolische Wert ist die erste beziehungsweise obere Zahl der Blutdruckmessung. Er zeigt den Druck in den Blutgefäßen während jener Phase, in der sich der Herzmuskel zusammenzieht und Blut in den Kreislauf pumpt. Bei einem Messwert von 120/80 mmHg wäre 120 der systolische Wert.

Was bedeutet der diastolische Wert?

Der diastolische Wert ist die zweite beziehungsweise untere Zahl. Er beschreibt den Druck in den Gefäßen, während sich das Herz zwischen zwei Schlägen entspannt und erneut mit Blut füllt. Bei einem Messwert von 120/80 mmHg wäre 80 der diastolische Wert. Beide Werte sind für die medizinische Beurteilung wichtig. Das häufig genannte Beispiel 120/80 mmHg ist jedoch kein universeller persönlicher Zielwert. Welche Werte für eine Person angestrebt werden, kann unter anderem von Alter, Vorerkrankungen und dem individuellen Herz-Kreislauf-Risiko abhängen.

Warum bleibt Bluthochdruck häufig unbemerkt?

Viele Menschen mit erhöhtem Blutdruck fühlen sich zunächst nicht krank. Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Schwindel können zwar auftreten, sind aber nicht spezifisch und eignen sich nicht dazu, Bluthochdruck sicher zu erkennen oder auszuschließen. Die WHO schätzt, dass im Jahr 2024 weltweit rund 1,4 Milliarden Erwachsene zwischen 30 und 79 Jahren mit Bluthochdruck lebten. Etwa 44 Prozent der Betroffenen wussten nichts davon.

Ab wann gilt der Blutdruck als erhöht?

Das österreichische Gesundheitsportal und die WHO sprechen grundsätzlich von Bluthochdruck, wenn bei wiederholten Messungen Werte von mindestens 140/90 mmHg festgestellt werden. Ein einzelner Messwert ab 140/90 mmHg bedeutet aber nicht automatisch, dass eine Person Bluthochdruck hat. Für eine Diagnose werden normalerweise mehrere Messungen und der individuelle gesundheitliche Zusammenhang berücksichtigt. Auch der Messort spielt eine Rolle. Werte aus einer Ordination, von Messungen zu Hause und aus einer 24-Stunden-Blutdruckmessung können unterschiedlich beurteilt werden. Darüber hinaus unterscheiden aktuelle europäische Leitlinien zwischen erhöhtem Blutdruck und Hypertonie und beziehen das gesamte Herz-Kreislauf-Risiko in die Beurteilung ein.

Warum kann ein einzelner Messwert täuschen?

Der Blutdruck kann sich innerhalb kurzer Zeit verändern. Ein höherer Wert kann beispielsweise durch folgende Faktoren beeinflusst werden:

Auch die sogenannte Weißkittelhypertonie kann eine Rolle spielen: Manche Menschen haben in einer medizinischen Umgebung erhöhte Werte, während ihre Messungen zu Hause niedriger ausfallen. Umgekehrt können Werte in der Ordination unauffällig sein, obwohl außerhalb der Ordination erhöhte Werte auftreten. Je nach Situation können deshalb wiederholte Messungen in der Ordination, dokumentierte Heimmessungen oder eine 24-Stunden-Messung erforderlich sein.

  • körperliche Anstrengung kurz vor der Messung,
  • Stress, Nervosität oder Aufregung,
  • Schmerzen,
  • Koffein oder Nikotin,
  • Sprechen während der Messung,
  • eine ungeeignete Manschettengröße,
  • eine falsche Sitzposition,
  • ein Arm, der nicht auf Herzhöhe liegt.

Blutdruck zu Hause richtig messen

Wer den Blutdruck selbst misst, sollte möglichst vergleichbare Bedingungen schaffen. Kleine Details können das Ergebnis beeinflussen.

Vor der Messung

Setze dich zunächst einige Minuten ruhig hin. Wenn du deine Werte über mehrere Tage dokumentierst, miss nach Möglichkeit zu ähnlichen Zeiten und unter vergleichbaren Bedingungen. Wie häufig eine Messung sinnvoll ist, sollte bei bestehenden Erkrankungen oder auffälligen Werten medizinisch abgestimmt werden.

Während der Messung

Achte auf folgende Punkte. Für verlässliche Ergebnisse sollte ein klinisch validiertes Messgerät verwendet werden, denn nicht jedes handelsübliche Gerät misst gleich genau.

  1. Setze dich aufrecht hin und lehne den Rücken an.
  2. Stelle beide Füße flach nebeneinander auf den Boden.
  3. Überkreuze die Beine nicht.
  4. Lege den Arm entspannt auf einer Unterlage ab.
  5. Die Manschette beziehungsweise das Messgerät sollte sich auf Herzhöhe befinden.
  6. Lege eine Oberarmmanschette direkt auf der Haut und nicht über der Kleidung an.
  7. Verwende eine Manschette, die zu deinem Armumfang passt.
  8. Sprich während der Messung nicht.
  9. Bleibe ruhig sitzen, bis die Messung beendet ist.

Werte dokumentieren

Notiere zu jeder Messung möglichst:

Eine solche Dokumentation kann helfen, den Verlauf besser zu erkennen und die Werte bei einem Arztgespräch nachvollziehbar zu besprechen.

  • Datum und Uhrzeit,
  • den systolischen Wert,
  • den diastolischen Wert,
  • gegebenenfalls den angezeigten Puls,
  • besondere Umstände wie Stress, Schmerzen oder vorherige Bewegung.

Warum ist dauerhaft erhöhter Blutdruck relevant?

Dauerhaft erhöhter Blutdruck kann die Blutgefäße und verschiedene Organe belasten. Unbehandelt kann er das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen und unter anderem mit Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzschwäche und Nierenschäden verbunden sein.

Wann ist eine medizinische Abklärung sinnvoll?

Eine medizinische Abklärung ist insbesondere sinnvoll, wenn:

Medizinisches Fachpersonal kann beurteilen, ob weitere Messungen oder Untersuchungen notwendig sind. Auch persönliche Zielwerte und eine mögliche Behandlung müssen immer individuell festgelegt werden. Bestehende Medikamente sollten nicht aufgrund selbst gemessener Werte eigenständig verändert, ausgelassen oder abgesetzt werden.

  • Blutdruckwerte wiederholt auffällig sind,
  • sich die Werte deutlich gegenüber bisherigen Messungen verändern,
  • Unsicherheit über das Messgerät oder die Messmethode besteht,
  • Herz-Kreislauf-, Nieren- oder Stoffwechselerkrankungen bekannt sind,
  • während einer Schwangerschaft auffällige Werte auftreten,
  • zusätzliche Beschwerden bestehen.

Wann kann es dringend sein?

Sehr hohe Blutdruckwerte können zusammen mit akuten schweren Beschwerden auf einen medizinischen Notfall hinweisen. Dazu können beispielsweise Brustschmerzen, Atemnot, Verwirrtheit, Lähmungserscheinungen, Sprachstörungen oder starke Sehstörungen gehören. Treten solche Beschwerden auf, sollte nicht erst auf weitere Messungen oder eine Verbesserung der Werte gewartet werden. In Österreich erreichst du die Rettung unter 144 und den Euronotruf unter 112.

Fazit: Der Verlauf zählt

Ein einzelner Wert ist nur eine Momentaufnahme. Erst wiederholte Messungen unter vergleichbaren Bedingungen und die persönliche medizinische Einordnung ergeben ein aussagekräftiges Bild. Eine übersichtliche Dokumentation kann dabei helfen, Veränderungen nachzuvollziehen und Messwerte für ein Arztgespräch bereitzuhalten.

Blutdruckwerte übersichtlich dokumentieren

Mit BodyWision kannst du Gesundheitsdokumente an einem Ort sammeln und Veränderungen für Arztgespräche nachvollziehbar vorbereiten.

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Quellen

  1. 1. Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz / Österreichisches Gesundheitsportal: Bluthochdruck: Was ist das? Letzte Aktualisierung: 25. Mai 2023. Abgerufen am 31. August 2026.
  2. 2. Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz / Österreichisches Gesundheitsportal: Blutdruck messen und kontrollieren. Abgerufen am 31. August 2026.
  3. 3. World Health Organization: Hypertension. Fact sheet, aktualisiert am 25. September 2025. Abgerufen am 31. August 2026.
  4. 4. McEvoy JW, McCarthy CP, Bruno RM et al.: 2024 ESC Guidelines for the management of elevated blood pressure and hypertension. European Heart Journal. 2024;45:3912–4018. doi:10.1093/eurheartj/ehae178. Abgerufen am 31. August 2026.
  5. 5. European Society of Cardiology: Patient Guidelines on Hypertension. Patientenleitlinie, 2024. Abgerufen am 31. August 2026.

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